A Clockwork Orange (Anthony Burgess)
Entwurf im WiSe 2009/2010 bei Prof. Hartmut Meyer
Der Roman von Burgess ist klar strukturiert:
(Teil A) Alex ist ein Jugendlicher, der mit seinen Kumpel lustvoll und sadistisch Gewalttaten verübt. (Täterperspektive)
(Teil B) Er wird gefasst und im Gefängnis einer Konditionierung unterzogen - dadurch verliert er die Freiheit, zu tun was er will (nämlich prügeln und vergewaltigen).(Zuschauerperspektive)
(Teil A') Wieder auf freiem Fuß und unfähig, sich zur Wehr zu setzen wird er Opfer seiner ehemaligen Opfer. Seine Kumpel sind bei der Polizei. Als er fast Selbstmord begeht, wird er von der Regierung wieder Ent-Konditioniert. Die Gewalttaten langweilen ihn allerdings bald. Letzten Endes beginnt er ein bürgerliches Leben und lässt die Gewalt als "jugendliche Phase" hinter sich. (Opferperspektive)
Wir erleben die Erlebnisse aus einer rein subjektiven Erzählperspektive, die Gewalt ästhetisiert, die Gesellschaft verdammt, sexistisch-stereotype Gender-Bilder reproduziert. Die Perspektive ändert sich je nach Teil von Täter zu Zuschauer zu Opfer; die Freiheit des Willens neben den Polen Gut <> Böse und Frei/Natürlich <> Konditioniert/Gesellschaftlich/Technisch) eines der zentralen Themen, wird am Ende dekonstruiert.Alex selbst hinterfragt sich aber nie.
Mein Entwurf basiert auf einer Teilung von Text und Bild/Geschehen.
Am Tisch auf der Vorderbühne wird aus dem Roman vorgelesen, ergänzt durch die Täter- /Zuschauer- /Opfer-Perspektive aus anderen Texten (deSade, dokumentarisches über Gewalttaten, ...) und theoretischen Texten über Willensfreiheit und das Gute / das Böse im Menschen. Ebenfalls auf der Vorderbühne ist der Beisitzer, der das ganze Stück nur ins Publikum blickt, sonst nichts tut.
Das Publikum sitzt mit dem Tisch und dem Beisitzer eingekesselt von einer runden weißen Papierwand. Dahinter - im ersten Rang und auf der Bühne - sind etwa 8 Darsteller, die
(Teil A) in größtmöglicher Freiheit laut, Gewaltvoll, agressiv, prollig, johlend herumziehen. Es kann Kunstblut verspritzt werden, das Mobiliar demoliert, es werden Masken getragen (deSade, Anthony Burgess, Andy Warhol usw.); zum Ende des Teil A wird die Papierwand zur Bühne zerrissen. Das Publikum hört nur, was vor sich geht, und sieht Teile des nahen, unsichtbaren Geschehens über Live-Camera.
(Teil B) In größter körperlicher Unfreiheit sitzen und knien die Darsteller auf der Bühne, sich kaum bewegend. Die Live-Bilder aus Teil A werden wieder projiziert und treffen nicht mehr auf das weiße Papier - das ja zerrissen ist, sondern auf die Bühne / auf die Darsteller.
(Teil A') Es geschieht das Selbe wie in Teil A, nur dass man diesmal alles live sieht. Es ist etwas langsamer und kraftloser. Ein drittes Mal werden die Live-Bilder aus Teil A auf die Bühne projiziert.



<< zurück

 |