Home

Login

Studium

Chronik

Studienorte

Projektarchiv

Materialien

Projektarbeit K.O.

Ritasport

... Amore per tutti !

La petite mort

...sezier dich nicht

Veröffentlichungen

Kommentare

Studenten

Dozenten

Kontakt

Impressum



Die studentischen Ko- teams mit KO 8 präsentieren das zweite Mal nach den Zasuelas im Herbst vergangenen Jahres im Hau 1 ein Operettenprojekt. Sie  wollen neuerlich den Beweis antreten, daß die emotionale Kraft einer in den letzten Jahrzehnten arg in Bedrängnis geratenen Musiktheaterrichtung durchaus lebendig geblieben ist.

Die Künstlergeneration der 20 bis 30 jährigen möchte viel unvoreingenommener  musikalisches Erbe wahrnehmen und ins Theater  übersetzen als ihre Vorgänger. Ihr Ansatz ist es,  die durch die aktuelle kritische Rezeptionsgeschichte vorgefundenen Standarts theatralisch neu zu dechiffrieren und zu interpretieren. Ein großer Neuanfang?

Nein. Warum auch?

Denn durchmustert man die mitteleuropäische Aufführungsgeschichte  der Operette, so findet man mannigfaltige Beispiele respektloser, vielleicht sogar anarchischer theatralischer Zugriffe auf dieses Sujet.

Neu ist allerdings eine gewisse ideologische Unverkrampftheit. Die Jungen wollen das spielerische Potential des Genres fördern! Sie setzen die Schlüsselinformationen  aus dem Stück mit ihren eigenen Lebenserfahrungen- und ereignissen  ins Verhältnis und versuchen, diese mit  der  „un“tiefen Emotionalität  der Musik direkt zu verbinden.

Da liegt es nahe, gängige Kliesches neu zu bewerten, die trotz vielfacher Verteufelung nicht ausrottbar sind.

Ihr Anspruch ist legitim, weil sie sich so dem gängigen Analysealgorithmus entziehen und sich dem Musiktheateralischem als Thema direkt zuwenden können.

 

Es gibt möglicherweise eine direkte Verbindungslinie der ratlos taumelnden Gesellschaft  in der „Nacht in Venedig“ vom Ende des neunzehnten Jahrhundert zum Lounge- und Partycheck der Gegenwart: Beide müssen unentwegt auf einer nicht enden wollenden Feier  gewitterte  Bedrohungen ausblenden. Der Übergang vom hemmungslosen Spass zum verkrampften Jammer ist fließend, vielleicht gar nicht mehr existent - alles ist eins.

Die drei Akte des Stückes wurden von drei unterschiedlichen Teams  gearbeitet, deren einzige gemeinsame Verabredung es war, die Geschichte „durchzuerzählen“. Die Handschriften der Akte sind  also jedesmal anders.

Obwohl die Geschichte voranschreitet, werden wir so plötzlich mit  drei Anfängen und gleichermaßen mit drei Schlüssen konfrontiert. Und drei verschiedenen Interpretationen und Inhalten. Hebelt sich dadurch die Verfolgbarkeit der banalen Story von selbst aus?

Wenn Banalität eine quälerische  Qualität haben kann, dann gerade nicht - die Variantenvielfalt eines  Themas avanciert zum eigentlichen Kern des Abends. 

 

Prof. Hartmut Meyer, Leiter der Bühnenbildklasse an der UdK Berlin

Aus dem Programmheft K.O.8 ... Amore per tutti !, 2007