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Sehr geehrter Herr Staatsminister Bernd Neumann,

 

aus der momentan in der Schwebe hängenden Gleichstellungsdebatte bei Versteuerung und Urheberrecht der Berufe der darstellenden Kunst ergibt sich für die Ausbildung der Berufe des Bühnen- und Kostümbildners leider eine Folgediskussion.

 

Die Lehre in Hochschulen und Universitäten geht sinnvoller Weise und traditionell auf die eigenkünstlerische Positionierung der Berufe in Theater- und Operninszenierungen zurück.

Professoren, Dozenten, Lehrpläne, Studienaufgaben- und ziele, Auswahl der Studierenden und Einbindungen der Bühnenbild/Kostümstudiengänge in Fakultäten und Theaterakademien sind in einem System der künstlerischen Ausbildung strukturiert, dass eindeutig nicht dem Dienstleistungsprinzip entspricht.

Darauf aber, auf die Eingliederung des Berufsstandes in die Kategorien der Serviceleistung laufen die momentanen Maßnahmen und Aktionen von Steuerwirtschaft und Rechtssprechung zu.

 

Die aktuelle Arbeit dieser Berufe ist und bleibt aber trotz vieler Veränderungen in der Kulturlandschaft eigenkünstlerisch. Von Partnern der darstellenden Kunst so gefordert, erwartet und verantwortet. Tatsächlich ist neben herkömmlicher Arbeits- und Aufgabentrennung zwischen Regie, Dramaturgie und Spiel auch eine „Auflösung“ in kreative Teams zu beobachten, die gemeinsam Verantwortung tragen und Urheberschaft einklagen. Darin kennzeichnet sich die Kontinuität der zusammengehörenden konzeptionellen Arbeit mit ihren engen inhaltlichen und künstlerischen Zusammenhängen der Künstler.

Allerdings ist auch zu beobachten, dass in Honorarverträgen der/die  Bühnen und- Kostümbildnerin im Vergleich der letzten Jahre eine höhere Haftungspflicht bei Auseinandersetzungen zu tragen hat (bis zum doppelten der Gage, die ein „hauptverantwortlicher“ Regisseur nicht trägt).

Die sehr individuellen Überzeugungen und Überlegungen in Finanzämtern, in Arbeitsgerichten und Abgeordnetenbüros sind deshalb sehr schwer nachvollziehbar und zeichnen ein verzerrtes Bild der Arbeitsstrukturen in den vielfältigen Bereichen der darstellenden Kunst. Sie scheinen eher medialer Wahrnehmungs- und Deutungsschablonen oder exzentrischer Auffassungen Weniger geschuldet zu sein als lebendigen Tatsachen.

 

Sollte sich die gesellschaftliche Ungleichbehandlung der darstellenden Kunstberufe mit dem Ziel einer künstlichen Hierarchisierung allerdings fortsetzen, wird es eine komplette Verwerfung zu Lasten der Wertschätzung der bildenden Theaterberufe geben, mit der Konsequenz, dass zumindest die betreffend ausbildenden Studiengänge inklusive Lehrer und aktuell Studierende fehl am Platze sind. Weil sie umfassend Falsches unterrichten und lernen. 

Denn das „Dienstleistungsgebot“ mit all seinen undenkbaren Folgen kommt in den Fächern, in Lehre und Richtlinien, in Modulen und Zielen aller deutschen Bühnen/Kostümbildstudiengängen schlicht nicht vor und kann deshalb von Professoren, Dozenten, von Gästen und Lehrbeauftragten nicht vermittelt werden. Denn wie sollten sie ihre Ausbildung ohne ein gewachsenes ernst zunehmendes Ethos, dass den Beruf seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Deutschland begleitet und viele hervorragende Künstlerpersönlichkeiten hervor gebracht hat, führen?

 

Aus der Unterschriftensammlung von Anna Eiermann entnehme ich, dass andere Professoren ähnlich aufgestellt und deshalb vor gleichen Problemen stehen. Es wird Sinn machen, deutschlandweit zu hinterfragen, wie nach den neuerlichen Entwicklungen verantwortungsvoll gegenüber unseren Beruf, der Ausbildung und den Studierenden vorzugehen sein wird.

 

Betrachten Sie meinen Brief als persönliche Meinung, dessen Beantwortung ausschlaggebend für weitere Überlegungen und Bewegungen sein wird. Es wird demgemäß vorerst keine Kopie und keinen Verteiler geben.

 

Mit freundlichen Grüßen

Hartmut Meyer