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Zuschauer


 

Es sind Leute,die sich für eine bestimmte Zeit in eine besondere Situation begeben, nämlich die einer unnatürlichen  Zusammenkunft zwischen aktiven und passiven Menschen, beeinflußt von künstlichen Räumen, künstlichem Licht und Ton und allerllei sonstigem Bühnenzauber. Es sind keine Museums- oder Galeriebesucher, keine Kinogänger . Wenn sich ein Bild nicht verkauft, trifft es den Galeristen ein wenig, den Maler  möglicherweise entschieden. Ihr Zusammentreffen ist vielleicht dramatisch oder sogar tragisch, aber wahrscheinlich unter vier Augen. Wenn ein Film floppt, ist ähnlich wie im Theater der Zuschauerraum leer . Das ruiniert schlimmstenfalls den Ruf der Macher  aber der Schanden bleibt diskret. Ein Theaterabend , der nicht läuft ,hat die Wirkung einer Massenfolter . Niemand ,auch der Zuschauer nicht, kann sich der bedrückenden Peinlichkeit  des Vorgangs entziehen. Umge-dreht steigert sich ein gelungener Abend von allgemeinem  Wohlwollen und kollektiven Glücksgefühl zur nicht unterdrückbaren Gruppeneuphorie. Welcher ist schrecklicher? Ein entdeckter Betrug, über den man großzügig hinwegsieht, oder ein Betrug, den man nicht merkt? Ich glaube die Leute wollen mehr Wirklichkeit,und zwar die, die sie unerwartet  und hart und deshalb emotional trifft. Im Theater soll gelogen werden und zwar so, das sich die Balken biegen.Das ,was zwischen den Leuten auf der Bühne und den Leuten vor der Bühne passiert ist ein böses Spiel um Schnelligkeit, bei dessen Ausgang alle nur dann zufrieden sind, wenn die auf der Bühne gewonnen haben. Die Zuschauer wollen nicht die Schlauen sein, sie sind keinesfalls mehr solche, mit denen man augenzwinkernd bequeme Verabredungen trifft. Ich denke die wollen keine Ilusion, sondern eine bestimmte Art von Wirklichkeit der Situation. Es geh t nicht um die Wahrheit einer Aussage,einer bestimmten Figur, einer Szene,eines Stückes, sondern um die überzeugende Stimmigkeit des Moments, des Augenblicks.Und

wenn der folgende Augenblick rytmisch stimmt genauso wie alle weiteren akzeptieren die Zuschauer das als Theater und sie sehnen sich nicht mehr  nach der Lehrvorführung mit jeder Menge Denk- und Gefühlsvorsprung. Die Form des Spiels ist musikalisch. Es funktiuniert durch Anachronismen, Anarchie und jede Menge Künstlichkeiten. Erlaubt ist alles, was Gefühl erregt,erotisch und politisch ist und provoziert, alle Sympatien verspielt und durch Charme zurückgewinnt.Gerade weil das Puplikum verlieren will , gibt es kein fairplay. Der Gewinn liegt sozusagen über dem, nach dem Spiel nicht im mitspielenden Dabeigewesensein.

Warum nicht was Absurdes! Gesetzt den Fall ,Langeweile würde Sinn machen und wäre sowohl  ambitioniert als auch pathetisch vorgetragen und die Zuschauer würden sich trotzdem amüsieren und in Nachdenken versinken ,darüber hinaus würden sie nicht herausbekommen wollen, warum das so ist und letztendlich wäre  ihnen sowieso ziemlich alles Wurscht .Wir wissen - das gibts wirklich ! Am allermeisten ist das aber nicht der Fall und das ist auch gut so, denn sonst wüßten alle gleich wie`s gemacht werden kann und Theatermachen wäre so herstellbar wie Fensterputz.Sicher, Theater kann betont politisch sein,zum Beispiel  parteilich engagiert,sozial ausgerichtet, usw.,was sympatisch ist, dumm ist dabei  nur  wenn es als Vorhaben spürbar wird ,sozusagen programmatisch kalkuliert auf dem Präsentierteller liegt.Schon will es belehren und läßt der Ungewißheit, die erst Spannung macht, keinen Spielraum mehr.              

Ich habe eine Theorie! Selbst wenn diese Leute euphorisch ambitioniert daherreden; was von Außen betrachtet  engagiert, pathetisch oder einfach nur geschwätzig erscheint,  ist selten der Inhalt ihres „ guten Theaters“ sondern unter der Hand die Beschreibung ihres außerordentlichen Dabeigewesenseins gemeint. Jeder, der einmal Theater gemacht und  für sich ein besonderes Gefühl mit nach Hause genommen hat, kann ein blumiges Lied davon singen. Daran ist im Prinzip auch nichts Schlechtes, und man könnte es ohne weiteres zugeben. Aber nein! Besser ist es da, wenn Gedanken, Leidenschaften, Überzeugungen etc. dahinter stünden! ...oder Exentrik, Ideologie, Erotik, Glaube oder anderes Geiles. Es müssen unbedingt Namen, Bezeichnungen, Überschriften und Bekenntnisse her und so entstehen verzerrte Projektionen von Tatsachen, die aber vor allen Dingen nur individuell gefärbte Halbwahrheiten erzählen. Das Erlebte ist sicher wahr, die Auslegungen eher falsch und das Vorhaben deshalb wahrscheinlich illusionär.Die Überzeugung, das man  viele Dinge ,die man denkt oder macht  genau analysieren und prezise beschreiben und ihnen dann erreichbare Ziele  aufoktruieren  kann, ist eine Sackgasse, die den Fortgang von  Möglichkeiten eher ausbremst statt weiterführt.Schonbei Wiederholungen simpler szenischer Vorgänge ist dieses Verhängnis zu beobachten. Die verblüffende Wirkung einer frischen Erfindung ist nicht wieder herstellbar, auch nicht trainierbar. Alleine, wie jeder Beteiligte in der Zwischenzeit die Situation verarbeitet und  abspeichert bringt unbedingt Distanz zur Ausgangssituation und zu dem Gemerkten des  anderen.

Wie hilft man sich da?