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Profil des Studiengangs Bühnenbild

Zur Darstellung unserer künstlerischen  Ausbildung versuchen wir ein Papier zu erarbeiten, dass unsere Lehrprinzipien, unsere Ausbildungssituation als auch den spezifischen Charakter der Bühnenbildklasse aufzeigt. Mit der Neuberufung der Professur im Jahre 2002 fand eine Überarbeitung , in einigen Bereichen des Studiengangs eine Neuorientierung des aktuellen künstlerischen Profils statt. Während das Studienziel prinzipiell das gleiche blieb, nämlich Bühnenbild praxisnah auszubilden, hat  sich die Auffassung über Ausbildungsinhalte und  -abläufe geändert. Mit der Artikulation einer neuen Lehrmeinung im Studiengang  Bühnenbild versuchen wir unsere Überzeugungen umzusetzen.

Wir begrüßen ausdrücklich die Inanspruchnahme wissenschaftlicher Erkenntnisse innerhalb und außerhalb der UDK über historische und gegenwärtige Vorgänge in der  Kultur, der Gesellschaft und der Natur. Da in künstlerischen Berufen die Neigung groß ist sich speziell künstlerisch zu informieren möchten wir eine Akzentverschiebung zum wissenschaftlich- erkenntnistheoretischen Bereich wagen, ohne die berufsspezifische Ausbildung zu vernachlässigen. Hier geht es uns nicht nur um faktische Informationen, sondern auch um Interesse an Fachdebatte und  Meinungsstreit. Wir sind der Meinung, das ein B.B. der museale Nische entgehen kann, in die er durch seine Arbeit oft gedrängt wird, indem er sich schon im Studium eine weites Argumentationsfeld schafft.

In der modernen Theaterentwicklung sind inhaltliche und ästhetische Ausbrüche in traditionsfremde Gebiete festzustellen, entsprechend hat sich auch das moderne Bühnenbild sowohl von der klassischen Ausstattung  als auch vom Machen des Bildertheaters  entfernt. Die Menschen, wenn sie nicht Theaterpublikum sind, müssen sich in vernetzten Gesellschaften mit ästhetischer Vielfalt und rasanter technologisch- ökonomischer Beschleunigung auseinandersetzen und sie fordern, wenn sie auf die Bühne schauen, kritisch gedankliche Realitätsnähe ein. Verwerfungen und Reaktionen sind kulturellen Bewegungen und erzeugen  Auffassungs- und Verhaltensveränderungen, markieren sich im Bewußtsein der Menschen als fortschreitendes Neues. Für jeden Künstler stellen sie umfassende Themenangebote dar, die existentielle Äußerungen, oder zumindest ernsthafte geistige Reflexionen provozieren müssten. Im gegenwärtigen Theater, sowie in allen anderen künstlerischen Bereichen gibt es Versuche diesen Vorgängen nahe zu sein. Unsere Studenten sollten nach dem Studium in der Lage sein, mit ihren speziellen Voraussetzungen ohne künstlerisches Pathos Überzeugungen zu entwickeln, die in Bezug stehen zu allgemeinen Entwicklungen und Strukturen, unabhängig davon welchem Material sie sich widmen

 

1. Speziell in theoretischen Bereichen  bevorzugen und entwickeln wir  ein Modell der individuell geprägten Konzeptfindung. Hierbei nähern sich die Studenten einem vorgegebenen dramatischen, musikalischen oder literarischen Material einerseits spielerisch- experimentell, andererseits durch weitgefasste kulturelle Recherche und arbeiten es bilderzählerisch auf.  Die entstehenden Entwürfe  müssen sich prinzipiell nicht in theater- tradierter Disziplin befinden, d.h. das in den Arbeitsvorgängen die ästhetische, dramaturgische oder kontextbezogene  Ausrichtung eine untergeordnete Rolle spielt. Ohne auf bestimmte handwerkliche Techniken festgelegt zu werden, interessieren uns Resultate mit gedanklich und formal vielschichtigen Äußerungen. Im Zentrum steht die künstlerische Suche nach individuellen Haltungen. In regelmäßigen Klassentreffen haben die Studenten die Möglichkeit, ihre künstlerischen Ansätze mit Standpunkten,  Meinungen und ästhetischen Auffassungen Anderer konfrontiert zu sehen. Eigenwillige Überzeugungen  in Bildkonzepten werden zur Diskussion gebracht, verändert  und überzeugend verteidigt. Aus den anfänglichen Entwürfen entstehen Konstrukte, die schrittweise Theatersprache werden und sich letztendlich zu schlüssigen Entwürfen formen. Mit diesem Modell suchen wir Anknüpfungspunkte  zur aktuellen Kunstauseinandersetzung, hinsichtlich der darstellenden- aber auch der bildenden Kunst.

 

2. Wir arbeiten an einem Praxisprogramm ,das vorsieht  das Bühnenbildstudenten zusammen mit Regie-, Schauspiel- oder Gesangstudenten wirklichkeitsnahe aber in Zeit und Aufwand reduzierte  Theaterinszenierungen schaffen. Die Studenten sollten unmittelbar Kenntnisse einsetzen und in praktischer Auseinandersetzung mit Arbeitspartnern überprüfen können. Inhaltliche Forderungen werden darauf beschränkt in der Nähe von dramatischem Material zu bleiben. Die Ergebnisse sollten nicht der Öffentlichkeit vorgestellt  werden sondern nur Lehrern und Studenten zugänglich sein.  Selbstverantwortliche Arbeitsvorgänge- und Resultate  ohne substanzielles Eingreifen von Lehrern herzustellen, zur Diskussion zu stellen und künstlerisch auszuwerten sind realistische Praxistests und wir betrachten ihr Bestehen als wichtige  Kriterien der Leistungsfähigkeit in diesem Beruf. Die Studenten lernen einen entscheidenden und grundlegenden Arbeitsvorgang ihres Berufes kennen -  Kommunikation innerhalb eines Inszenierungsteams.

 

3. Im Semesterwechsel werden zu Stücken oder Themen von der Bühnenbildklasse Einzel- oder Gruppenarbeiten angefertigt ,die von Gästen geleitet werden. Die Auswahl der Gäste richtet sich nach fachlicher Notwendigkeit, Überlegungen von Lehrern und Studenten und nach Terminmöglichkeit  der Gäste. Angestrebt  ist ein unterschiedliches  Spektrum von Künstlern, die sowohl aus dem Kern- als auch aus den Grenzbereichen  des Theaters kommen sollten (Regisseure, Dramaturgen, Dramatiker, bildende Künstler, Musiker, Wissenschaftler). Damit wollen wir vermeiden, dass  der Bühnenbildstudent lediglich die Auswahl von Handschriften, also durch Gastbühnenbildner bekommt, sondern Einblicke und Anregungen erhält, die sich für ihn auf jeden Fall im weiten künstlerischen Umfeld befinden.       

4. Entscheidende  Grundlage der Findung eines Bühnenbildkonzepts ist seine praktische Umsetzbarkeit. Schon in den theoretischen  Vorarbeit spielt der Umstand der Herstellbarkeit  einer Idee eine wichtige Rolle. Wir gehen soweit ,Machbarkeitsprobleme durch die Einführung bewusster Einschränkungen zu simulieren, sozusagen theoretisches Arbeiten unter realen Theaterbedingungen (Bauliche  und technische Eigenheiten, finanzielle Beschränkungen).  Zu diesem Vorgehen zwingt uns der Mangel an praktischen Prüfmöglichkeiten für die Studenten und die daraus resultierende  Wirklichkeitsfremdheit von Entwürfen. Wir versuchen umgedreht durch den Umstand der Einschränkung den theatersprachlichen  Ansatz zu sensibilisieren, das Kürzel und die Abstraktion. Zur praktischen Hilfe gibt ein Theaterwerkstattleiter Seminare .

 

5. Der Arbeitsmarkt stellt ein spezielles Problem für Bühnenbildner dar. Eigentlich sind Bühnenbildner Freiberufler, die in der Praxis aber nur über Regisseure Engagements bekommen, denn in der Regel sind Regisseure  es, die über den Markt ,über Intendanten und Theaterverhältnisse  zur Arbeit verpflichtet werden. Der Arbeitsmarkt  steht dem B.B. also nur indirekt zur Verfügung. Der gewöhnliche Weg Absolventen an die Theater zu vermitteln sind Assistentenverträge. In den meisten Fällen wird dieser Weg gegangen werden müssen, obwohl er in nur wenigen Fällen ein guter ist. Im Vorfeld zu unserem Studioprojekt  haben sich Gruppen gebildet ,die aus B.B.- Studenten und Regiestudenten bestehen und die an  fiktiven Projekten arbeiten.  In unserem künftigen Studio werden sie wahrscheinlich die ersten Inszenierungen erarbeiten. Da unsere Fakultät  leider kein Regiestudiengang  ausbildet haben wir für die Projekte Studenten vom  Hans-Eissler-Institut gewinnen können. Falls die Studioprojekte erfolgreich sein sollten ist erklärtermaßen die  Komische Oper und deren neue Leitung unter Andreas Homoki sehr daran interessiert  in ihrer Verantwortung  funktionierende Inszenierungsteams weiter  zu fördern. Dazu will sie Räume bereitstellen und finanziell- technische Unterstützung leisten.            

Es besteht also durchaus die Möglichkeit  das die frühen Arbeitsgruppen, die  an fiktiven Mappenstücken, dann an reduzierten aber praktizierten Studioprojekten arbeiten, in einem professionellem Umfeld eines Theaters  kleine aber komplette Inszenierungen  der Öffentlichkeit vorstellen und somit  chancenreich als Inszenierungsteams den Einstieg ins Berufsleben finden können.    

 

6. Unsere Studentenzahl ist gestiegen von ca. 15 auf 20 Studenten. Durch eine Verbesserung  des Studienklimas werden die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten in den Klassenateliers maximal genutzt. Eine für uns erfreuliche Entwicklung, auch weil sich dadurch die für uns sehr wichtige studentische Kommunikation verbessert hat. Allerdings bedeuten Menge  und Unterschiedlichkeit der neuen Ausbildungsformen  mehrfache Belastung des vorhandenen Platzangebots d.h. unsere Räumlichkeiten sind so beengt, dass eine  befriedigende  Arbeitssituation für alle Studenten nicht mehr gegeben ist. Die Ateliers sind oft gleichzeitig Seminar-, Vorlesungs- und Dozentenräume . Auch den Studioprojektraum sowie Räumlichkeiten zur Computer-, und Internetnutzung, zu Zeichen-, und Recherchezwecken gibt es bis heute nicht. Obwohl wir trotz dieser Umstände zum Teil überraschende  Einzelleistungen feststellen können und unsere kleinen Atelieraustellungen  am Semesterende  lebhaften Zulauf über Freundes-, und Bekanntenkreise hinaus  aus dem öffentlichen Raum bekommen haben, müssen wir mit Dringlichkeit auf unsere prekäre Situation aufmerksam machen und die UDK- Leitung um Unterstützung  bei der Lösung dieser Probleme bitten.

 

7. Eine wichtige Tradition  in der Fakultät Darstellende Kunst  stellen die gemeinsamen Theaterprojekte im Theater und Projektsaal dar. Zur Zeit entwickelt sich unter den Studiengängen eine intensive Diskussion  sowohl über die Qualität als auch über das Konzept der Produktionen . In der Vergangenheit  sind verschiedene spektakuläre und experimentelle Inszenierungen entstanden, und wir sind der Meinung, das nur in diesem Sinne diese Tradition fortgesetzt werden sollte. Da diese Inszenierungen auch öffentliche Vorstellungen sind , haben sie in der Überzeugung der Fakultät den Anspruch  auf maximale Bühnengestaltung . Die Bühnenbildstudenten als Ansprechpartner hatten theoretisch also optimale  Bedingungen, schon im Studium unter professionellen Verhältnissen ihre künstlerische Arbeit auszuprobieren. Allerdings häuften sich auch Meinungsverschiedenheiten  über die Zusammensetzung der Inszenierungsteams und der Auswahl der Stücke, und in Anbetracht der verhältnismäßig hohen Produktionskosten und einer umstrittenen Aussenwirkung dieser Inszenierungen ist eine tiefgehende Prüfung über Art und Weise der Fortführung dieser Arbeiten notwendig geworden. Vorschläge , die aufwendigen Inszenierungen in kleinere Studentenarbeiten umzuwandeln sind im Entwurf. Auch die Bühnenbildklasse weiß den Wert eines funktionierenden Theaterapparates nur für Studienzwecke zu schätzten.

 

Die im  Profilpapier erarbeiteten Gesichtspunkte verdeutlichen gleichermaßen eine

Bestandsaufnahme unserer  Studiensituation als auch ein intensives Nachdenken über unsere Zukunft. Die B.B.- Klasse in der Fakultät Darstellende Kunst ist ein kleiner sehr spezialisierter Studiengang, der seine Studenten auf herkömmliche aber auch völlig neue Bereiche der darstellenden Kunst vorbereitet. Durch den besonderen  Charakter unsrer Ausbildung werden die Studenten in der Lage sein ihre künstlerische Arbeit in Theatern, Opern oder anderen Orten zu leisten, im Extrem wandern sie in andere künstlerische Berufe ab. Durch  die Verbesserung  unserer Studiensituation und die vorbereitete Kooperationen mit Theatern kann sich außer der künstlerischen auch die soziale Perspektive der Studenten wesentlich verbessern.

Im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über alarmierende Finanzierungsprobleme in der Stadt begann ein  allgemein heftiges und lautes Nachdenken über Form und Bestand der kleinen künstlerischen Ausbildungseinrichtungen.

Für das künstlerische Studium ist es grundsätzlich gut, ein breites Angebot einer von unterschiedlichen Künstlern geprägte Lehre anzubieten. In Berlin sind diesbezüglich Zeichen gesetzt worden, indem neben zwei existierenden Klassen eine Masterschulung von ausgebildeten Architekten zu Bühnenbildnern an der TU- Berlin installiert wurde, eine neue Farbe in dieser speziellen Studienlandschaft. Trotz Konkurrenz begrüßen wir solche kulturpolitischen Weichenstellungen, mit Verblüffung würden wir jedoch in diesem Zusammenhang die Reduzierung der "traditionellen" Ausbildung registrieren. Die Bühnenbildstudiengänge in Weissensee und der UDK stellen in ihren aus historischen Gründen  entstandenen unverwechselbaren Profilen eigenständige, für Studenten klar unterscheidbare Lehrangebote dar. Beiden gemeinsam ist die unmittelbare Nähe zu anderen künstlerischen Studiengängen mit entsprechenden vielfältigen Einflüssen. Andererseits bekommen durch die Arbeitsbeziehungen der Lehrer zu Regisseuren und Theatern auch die Studenten einen schnellen und unschätzbaren Eindruck vom gedanklichen und arbeitstechnischen Umfeld des gerade praktizierten Theaters. Zweifelsohne sind das Werte, die seit der Einrichtung des B.B.- Studiums zu Beginn des letzten Jahrhunderts geschätzt und ausgebaut wurden. Diese Tradition existiert sowohl in Weissensee als auch in der UDK. Unser Appell an politisch Verantwortliche beschränkt sich auf den Hinweis auf ausgewogenes Nachdenken über die großen kulturellen Zusammenhänge und über den bedeutenden internationalen Stellenwert des mitteleuropäischen Theaters, woran kleine spezialisierte Berufsgruppen wie unsere wesentlichen Anteil haben. Deren solide Ausbildung sollte naturgemäß allen kulturpolitischen Entscheidungsträgern am Herzen liegen.